Fortgehen auf Englisch
Ich bin jetzt seit mittlerweile zehn Tagen in England. Es überrascht mich, wie schnell ich mich hier eingewöhne - irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass mir viele Dinge strange vorkommen würden. Das ist aber überhaupt nicht der Fall: Wenn ich zum Beispiel nach Italien fahre, dann stolpere ich viel öfter über Ungewohntes ... die Art, sich zu unterhalten, die örtlichen Gepflogenheiten, die Landschaft, die Einstellung und das Wesen der Menschen.
Natürlich gibt es Dinge, die in England einfach anders sind: das Essen (aber auch hier ist der Unterschied bei weitem nicht so groß wie erwartet - der Unterschied zu kroatischem Essen ist zum Beispiel größer), die Unart, links zu fahren (und auf der "falschen" Seite abzufahren - besonders schlimm bei Zügen!! ;-) oder das Geld (all die Münzen - ich hab meist ein echt schweres Geldbörsl). Aber das sind Kleinigkeiten, die mir Mittlerweile kaum mehr auffallen.
Gestern hab ich jedoch einen ganz groben Unterschied feststellen müssen: wir waren nämlich das erste Mal am Abend unterwegs.
Zuerst sind wir (Audrey, Olafund ich) mit dem Zug nach Colchester gefahren. Ich hatte meinen großen Tramper umgeschnallt - Lili hat mich nämlich gebeten, mein eigenes Bettzeug mitzubringen, und die Bettdecke (die ich übrigens ohne Erlaubnis mitgenommen hab *schäm*) hatte in keiner anderen Tasche Platz. [Wär übringes ganz lieb, wenn mir jemand bei Zeiten meinen Schlafsack vorbeibringen könnte ... *g*]
Als wir dann in Colchester waren, bekamen die "locals" (allen voran Laurence und Lili) kalte Füße: Gestern fand nämlich das Fußballspiel Colchester gegen Ipswich statt. Die beiden Städte haben schon ewig nicht mehr gegeneinander gespielt (waren schon lang nicht mehr in der selben Liga) und es besteht ein Konkurenzkampf, wie man in sonst nur in der Obersteiermark findet (... die Leute hier scheinen den Obersteieern sowieso verblüffend ähnlich zu sein - sie sind a bissl eigenbrötlerisch, man versteht sie kaum, wenn sie sprechen, ... ;-) Naja, auf alle Fälle waren sich die andern nicht mehr sicher, ob es "save" sei, überhaupt auszugehen (!!!???!!!).
Wir sind dann trotzdem losgezogen. Wir, das sind in dem Fall Audrey, Olaf, Lili und Stéphane (ihr Freund - Bilder siehe unten), Emily (Französin, unterrichtet in Harwich), Kadischa [schreibt ma anders] (ebenfalls franz-native und Lehrerin in Harwich), Laurence (der einzige Engländer in unserer illustren Runde, hat Deutsch und Holländisch studiert und unterrichtet jetzt in Harwich Deutsch und ich halt.
Zuerst waren wir in einem Irish Pub *gg* - das war echt fein. Es hat eine Live-Band gespielt (alternativ - waren wirklich gut!!!) und ich habe meinen ersten Cider getrunken. Vorher wurde ich noch gewarnt, dass Cider ziemlich gemein sei - hat mich doch ziemlich beunruhigt,weil ich nur ein Sandwich zu Mittag gegessen hab. War aber recht lecker - schmeckt wie gespritzter Apfelsaft. *gg*
Mir hat's dort sehr gut gefallen - doch den anderen war es zu laut, also sind wir in einen Club weitergezogen. Und dann begann der Abend schräg zu werden:
1) Engländer stehen auf Computermusik. Ich hab kein einzig wirklich gutes Lied gehört und in Colchester gibt es kein Lokal, in dem "alternative" Musik in der Preisklasse "drei Affen" (boa, extrem alternativ, ich weiß!) gespielt wird.
2) Engländerinnen haben eine komische Art, sich zu kleiden. So viele hot-pants, "Gürtel" und vor allem wirklich wahnwitzig kurze Kleider sieht man bei uns nicht einmal im Sommer im Bad.
3) [resultiert aus 1 und 2, evtl. auch 4] Die EngländerInnen haben einen ganz eigenen Tanzstil. Sie kombinieren (auf einzigartige Weise) die Kunst, sich nicht zu bewegen mit ruckartigen Bewegungen, die einem asthmatischen Krampf ähneln. (Jetzt weiß ich, warum uns Weißen nachgesagt wird, dass wir nicht Tanzen können - wenn die Kolonialherren sich auch so spastisch "bewegt" haben - oh boy!).
4) Das hohe Ziel der EngländerInnen besteht darin, sich innerhalb kürzester Zeit wegzubügeln. Fortzugehen, ohne "totally pissed" heimzutorkeln, gilt als Versagen. Um das Ziel zu erreichen, wir kampfgetrunken, was das Zeug hält - sprich ein Pinte nach dem anderen vernichtet. Und vier Pinte in einer Stunde sind für ein Mädl echt kein schlechter Schnitt. Nur vertragen tun EngländerInnen erstaunlich wenig (die meisten waren nach zwei Pinte Fosters komplett besoffen).
5) Aber der größte Unterschied: Um 1 Uhr ist Schluss. Wirklich und ernsthaft - nicht so wie beim Luis, wo man noch a paar Minuten sitzenbleiben darf, austrinken etc. Spätestens um 10 nach 1 sind alle Leute draußen, die Türen zu und die Lichter aus. Ich hab gar nicht mitbekommen, was los war und hab noch blöd gefragt, wo wir als nächstes hingehen würden. Ich mein, es war erst eins, ich gut drauf und auf eine lange Nacht eingestellt.
Wir sind dann tatsächlich heim, wobei ich kurzfristig "umgezogen" bin - die Jungs hatten a) mehr Platz und waren b) im Gegensatz zu den übrigen Mädls (Lili und mich ausgenommen) nicht betrunken. Daher bin ich mit meinem "kleinen" Rucksack um halb zwei durch Colchester gestiefelt (ca. eine halbe Stunde).
Heute waren wir alle gemeinsam frühstücken - natürlich auf english. English breakfast = Speck, Spiegeleier, Kartoffelteilchen (dreieckig und eine Art "dicke" Kartoffelpuffer), Würstl (ganz kleine, so wie die Grillteilchen) Gekochte Tomaten (lecker!!!), Bohnen, Champignons und evtl. Blutdummerl (des schreibt ma sicher a anders). War gewöhnungsbedürftig, aber okay.
So, jetzt mach ich aber Schluss für heute (Gratulation, wenn du wirklich alles gelesen hast!!! ;-). Es ist mittlerweile nämlich abend, ich will noch was kochen (viel Gemüse - kein Fett!!) und dann fängt schon Star Wars Episode III an - und das will ich nicht verpassen! ;-)









































